Aufstieg und Fall der Tönninger Schiffswerft.

Eisenschiffbau in Tönning von 1890 bis 1924.

Im April 1880 wurde die Fa. Schömer und Jensen,
 Eisengießerei und Maschinenbau Tönning in der Fischerstrasse in Tönning gegründet.

Später kam eine Bugsierreederei dazu. Die Firma muß in der Zeit gute Gewinne gemacht haben.
Gussteile waren ein gefragter Artikel, man befand sich ja im Zeitalter der Industriealisierung.

Die Schiffsbewegungen am Hafen in Tönning und der auf Reede liegenden Frachtschiffe, die
zum Teil noch Segelschiffe waren, wurden überwiegend durch die Schlepper der Fa. Schömer
und Jensen wahrgenommen.

Dann kam der nächste Schritt. Die Firma Schömer und Jensen wollte Eisenschiffe bauen.

Im Jahre 1889 wurden dann am Nordufer der Eider, westlich von der Kohlenbrücke ein
Grundstück von 20.000 qm gepachtet. Am Ende der Ausbaustufe hatte das Werftgelände
eine Größe von 82.000 qm.

Jetzt hieß die Firma: Schömer, Jensen und Co. Maschinenfabrik, Eisengießerei und Schiffswerft.
In dieser Zeit war Hochbetrieb auf der Tönninger Eisenschiffswerft.

Auf diesem Gelände befindet sich heute das Restaurant "Zum alten Anleger".

Bis 1904 ging es mit der Schiffswerft immer weiter bergauf. Es wurden bis 1904 über 50 neue
Schiffe gebaut. Darunter auch der zur damaligen Zeit Europas größter
Hochseedoppelschraubenschlepper, die Roland mit 1.500 PS.
Im Oktober 1904 wurde die Werft in eine AG umgewandelt. 1905 erreichte die Mitarbeiterzahl,
Arbeiter und Angestellt eine Anzahl von 1.600 Personen. Die Hellinge wurden verlängert. Man
konnte  jetzt Schiffe bis zu einer Länge von über 100 m und bis 4000 to. Ladefähigkeit bauen.
Eine Tischlerei und Maschinenhalle wurde in dieser Zeit zusätzlich erstellt. Es wurden jetzt alle
Teile, die zum Bau eines Schiffes notig waren, hier auf der Werft hergestellt.

Die einsetzende Krise im Schiffbau verschönte auch die Tönninger Werft nicht. Im Juni 1910
kam es aus vielerlei Gründen zur Zwangsversteigerung. Danach wechselten die Besitzer in
unregelmäßigen Abständen. Die letzten Besitzer der Werft waren die Norddeutsche Unionwerke
in Hamburg. Der Betrieb ging weiter, aber die Hochblütezeit war vorbei.

Das endgültige Aus der Werft war dann im Jahre 1924.
Zum Schluß eine kurze Zusammenfassung: Von Wagemut, Einsatzbereitschaft, Fleiß und großen
Können waren die Jahre bis 1904 geprägt. Der allmähliche Niedergang der Werft bis 1910 kam
durch die weltweite Schiffbaukrise, dem Fehlen von Reparaturdocks, sowie der eintretenden
Geldvertretung. Dann wurde die Werft ein Spekulationsobjekt von Kaufleuten / Geldleuten, die
in den Kriegsjahren ihr Geld irgendwie unterbringen wollten, ohne Beziehung zur Stadt Tönning
und der Werft zu haben.

Das Ende der Scheinblüte zu Anfang der zwanziger Jahre wurde durch die Inflation und
Mißmanagment beschleunigt. Was übrig blieb, waren die Trümmer der demontierten Werft. Der
Fortfall vieler Arbeitsplätze hat Tönning damals hart getroffen.

Ein Kapitel Tönninger Geschichte war zu Ende.